Sechs Weltmeistertitel machen Frankreich zur erfolgreichsten Nation in der Geschichte der frankreich handball wm. Kein anderes Land hat so viele Goldmedaillen gesammelt, keine andere Mannschaft hat den Sport über einen so langen Zeitraum geprägt. Zwischen 2001 und 2017 waren «Les Experts» — der Spitzname, den sich die Mannschaft selbst gegeben hatte — das Maß aller Dinge im Welthandball. Wer gegen Frankreich spielte, spielte gegen die Besten.
Doch seit Dänemark 2019 die Macht übernommen hat, jagen die Franzosen einem Titel hinterher, der ihnen seit sieben Jahren verwehrt bleibt. Olympia-Silber 2024, Bronze bei der WM 2025 — Frankreich ist immer noch unter den Besten, aber nicht mehr der Beste. Für die WM 2027 in Deutschland stellt sich eine entscheidende Frage: Kann die neue Generation das Erbe der Experts fortführen und die dänische Dominanz durchbrechen? Oder bleibt Frankreich in der Rolle des ewigen Herausforderers stecken, der dem eigenen Vermächtnis hinterherläuft?
Die Ära Onesta und das Erbe der Experts
Die Geschichte der französischen Handball-Dominanz beginnt mit einem Namen: Claude Onesta. Unter seiner Führung gewann Frankreich vier WM-Titel (2001, 2009, 2011, 2015), zwei EM-Titel und Olympisches Gold 2008 und 2012. Die Generation um Nikola Karabatic, Thierry Omeyer und Daniel Narcisse spielte einen Handball, der Kraft, Intelligenz und taktische Perfektion vereinte. Omeyer im Tor war über ein Jahrzehnt lang der beste Torhüter der Welt — ein Fixstern, um den sich das gesamte System drehte. Karabatic am Kreis und im Rückraum lieferte die Tore, die Abwehrarbeit und die Führung, die eine Mannschaft zum Sieger macht.
Der historische Höhepunkt war die sogenannte Triple Crown zwischen 2008 und 2010: Frankreich hielt gleichzeitig den WM-Titel, das Olympische Gold und den EM-Titel. Bis Dänemark 2026 das Gleiche schaffte, war Frankreich die einzige Mannschaft, die diese Leistung je vollbracht hatte. Die Parallele ist bezeichnend: Was Dänemark heute ist, war Frankreich vor 15 Jahren. Und wie jede Dynastie endete auch die französische — nicht mit einem Knall, sondern mit einem schleichenden Rückgang.
Der letzte WM-Titel fiel 2017 — zu Hause in Frankreich, mit einem Team, das bereits im Umbruch steckte. Karabatic spielte sein letztes großes Turnier, Omeyer verabschiedete sich kurz darauf. Seitdem befindet sich Frankreich in einer Übergangsphase, die länger dauert als erwartet. Nicht, weil die Qualität fehlt. Sondern weil die Generation Karabatic eine Messlatte hinterlassen hat, die kein Nachfolger bisher erreicht.
Für Wetter ist die historische Perspektive relevant, weil Frankreich bei Buchmachern traditionell höher eingestuft wird, als es die aktuelle Form rechtfertigt. Der Name «Les Experts» wirkt wie eine Marke, die Quoten nach unten drückt. Sechs Titel in der Vitrine beeindrucken die Algorithmen — aber sie spielen nicht auf dem Feld.
Neue Generation, alte Lücken im Tor
Frankreichs aktueller Kader ist eine Mischung aus erfahrenen Turnierspielern und aufstrebenden Talenten. Im Rückraum hat sich Dika Mem als einer der gefährlichsten Linkshänder der Welt etabliert. Sein Wurf aus dem rechten Rückraum ist schwer zu verteidigen, seine Fähigkeit, Spiele zu entscheiden, macht ihn zur offensiven Schlüsselfigur der Mannschaft. Neben ihm sorgt Elohim Prandi für Dynamik im linken Rückraum — schnell, wurfstark, aber gelegentlich zu unkontrolliert in entscheidenden Momenten. Hugo Descat ergänzt als Torschütze von der Außenposition, und Nedim Remili bringt die Erfahrung vergangener Turniere mit.
Das Torhüter-Duo ist solide, aber nicht herausragend. Vincent Gerard und Wesley Pardin teilen sich die Einsatzzeit, ohne dass einer die unumstrittene Nummer eins wäre. Im Vergleich zu Nielsens 43-Prozent-Quote fehlt Frankreich der eine Torwart, der ein ganzes Turnier dominieren kann. Das war anders zu Omeyers Zeiten — und es ist einer der Gründe, warum Frankreich seit 2017 keinen Titel mehr geholt hat. Ein Turnier lebt vom Torhüter, und Frankreichs Torwartposition ist aktuell die größte Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Bei der WM 2025 belegte Frankreich den dritten Platz — ein respektables Ergebnis, das die tatsächliche Turnierleistung aber schmeichelhaft zusammenfasst. Im Halbfinale gegen Dänemark war Frankreich chancenlos, und die Bronzemedaille im Spiel um Platz drei gegen Portugal wirkte mehr wie ein Pflaster als wie ein Aufbruch. Die EM 2026 brachte keine entscheidende Verbesserung: Frankreich schied im Halbfinale aus und verpasste das Finale.
Die Jugendarbeit gibt allerdings Anlass zur Hoffnung. Frankreich hat in den letzten Jahren konstant starke U21-Mannschaften hervorgebracht, und einige dieser Spieler drängen nun in den A-Kader. Ob sie bei der WM 2027 bereits Verantwortung übernehmen können, hängt davon ab, wie mutig Trainer Guillaume Gille seine Auswahl trifft.
Wie Frankreich Dänemark schlagen müsste
Frankreichs Weg zum WM-Titel 2027 führt unweigerlich über Dänemark. Und genau dort liegt das Problem. In den direkten Begegnungen der letzten Jahre war Frankreich selten auf Augenhöhe. Das Halbfinale der WM 2025 ging deutlich verloren, das Olympia-Finale 2024 ebenso. Dänemark hat Frankreich als Maßstab abgelöst — und die Franzosen haben noch keinen Schlüssel gefunden, um die dänische Abwehr-Torwart-Kombination zu knacken.
Taktisch müsste Frankreich das Tempo drosseln, um gegen Dänemark zu bestehen. Die Dänen leben vom schnellen Umschaltspiel; wer sie in ein langsames Positionsspiel zwingt, hat die größten Chancen. Frankreich hat die Spieler dafür — Mem kann aus dem Stand werfen, und die Kreisläufer sind physisch stark genug, um gegen jede Abwehr zu arbeiten. Was fehlt, ist die Disziplin, dieses System über 60 Minuten durchzuhalten, ohne in alte Muster zu verfallen.
Der realistischste Weg führt über ein Halbfinale ohne Dänemark. Wenn die Gruppenauslosung und der Turnierverlauf es ermöglichen, dass Frankreich und Dänemark erst im Finale aufeinandertreffen, steigen die französischen Chancen erheblich. Gegen jede andere Mannschaft der Welt — Deutschland, Kroatien, Schweden — kann Frankreich auf individueller Qualität bestehen.
Für Wetter ist Frankreich ein zweischneidiges Schwert. Die Quoten werden voraussichtlich zwischen 5.00 und 8.00 liegen — attraktiv, aber nur dann Value, wenn man an eine Verbesserung der Turnierform glaubt. Die nackte Statistik der letzten drei Jahre gibt wenig Anlass dazu. Frankreich ist die Mannschaft, die jeder auf dem Zettel hat, die aber seit sieben Jahren nicht mehr geliefert hat. Das macht sie gefährlich — für Wetter, die zu viel erwarten, und für Gegner, die zu wenig erwarten.
Sechs Titel, null Garantien — Frankreichs Wett-Profil
Frankreich bleibt eine der drei besten Handball-Nationen der Welt. Sechs WM-Titel, die tiefste Talenttradition Europas und ein Kader, der jedes Turnier als Medaillenkandidat beginnt. Aber die Ära Onesta ist vorbei, und die neue Generation hat noch nicht bewiesen, dass sie den letzten Schritt gehen kann. Der Abstand zu Dänemark ist in den direkten Begegnungen sichtbar, und die Torhüter-Frage bleibt ungelöst.
Für die WM 2027 heißt das: Frankreich als Langzeitwette zum Turniersieg bietet moderate Value — wenn die Quote stimmt und die Auslosung einen günstigen Pfad ermöglicht. Als Wette auf eine Halbfinal-Teilnahme oder eine Medaille ist Frankreich deutlich solider. Les Experts jagen weiter, und eines Tages werden sie den Titel zurückholen. Ob 2027 dieses Jahr ist, hängt weniger von Frankreich ab als von der Frage, ob Dänemark endlich eine Schwäche zeigt.
